Nach dem Frühstücksdesaster laufen wir in Abgaswolken gehüllt zum Zahn-Tempel, um der Puja beizuwohnen.


Dreimal täglich – um 5.30, 9.30 und 18.30 Uhr – wird während einer 1 1/2-stündigen Zeremonie, die von Trommlern begleitet wird, die Reliquienkammer mit dem heiligen Zahn Buddhas für Besucher und Gläubige geöffnet und man kann einen Blick in die wahnsinnig prunkvoll geschmückte Kammer mit dem Reliquien-Behälter werfen.


Dass die „echten“ Buddhisten mit ihren duftenden Blumenschalen dabei so gelassen bleiben und stets lächeln, wenn sie zusammen mit den gaffenden und fotografierenden Touristen durch die Tempelgänge geschoben werden, ist wohl gelebte Religion.


Besonders eng wird es in der Palmblatt-Bibliothek im Octagon.


Nach 1 1/2 Stunden ist der Zauber vorbei. Die Massen verteilen sich auf dem Außengelände oder in den Museen. Uns interessiert nur noch Raja, der präparierte Tusker (Elefant mit Stoßzähnen), der über 50 Jahre lang die Zahnreliquie beim Perahera-Fest getragen hat.

Im netten Nature Coffee holen wir den verpassten Frühstückskaffee nach, bevor wir noch einmal Erkundigungen am Bahnhof für unsere Weiterfahrt nach Ella einholen. Wir müssen am Sonntag wohl in den sauren Apfel beißen und uns – gehandicapt mit unseren Backpacks – eine Mitfahrt in dem begehrten Morgenzug ergattern.

Ach, wie soll ich den folgenden Einkaufsbummel durch die Straßen und Märkte Kandys nur beschreiben? Die Häuser und Geschäfte sind alle so dermaßen hässlich, abgefrackt und schmutzig, die engen Straßen überfüllt mit hupenden Blechlawinen. Wir können an dieser Stadt mit dem zuckersüßen Namen nicht viel Hübsches entdecken. Es brökelt und gammelt, wo man nur hin schaut. Vermutlich halten nur noch die überdimensionalen Werbetafeln alles zusammem. Ehemals schöne Kolonialbauten haben schon lange jeglichen Glanz verloren.



In der einen Bruchbude ist eine Schweißerei und gleich nebenan der Laden für Brautmode, der Reifenhändler bietet seine Ware Tür an Tür mit dem Bäcker an. Beim Medical Care Center möchte man den Türgriff mit der Beißzange anfassen und bei den wenigen Take-Away-Essensangeboten vergeht einem schon beim Anblick der schmuddeligen Vitrine der Appetit. Zudem hat man das Gefühl, als Tourist überall übers Ohr gehauen zu werden. Deshalb kaufen wir lieber im Supermarkt ein. Da steht auch dran, was es ist.


Es ist wirklich eine Kunst, hier sehr vereinzelt eine hübsche Lokalität zu finden. Dazu gehört ein sauberer und gut sortierter Gewürzstand auf dem sonst abscheulichen Lebensmittel-Markt, ein gepflegter Sari-Stand in einem Kitsch- und Plunder-Markt und die Tea Lounge, ein wunderbar ruhiges Nest zum Erholen und Teeschlürfen.


Obwohl wir eigentlich eher Ballast abwerfen müssten, können wir dem Souvenirkauf nicht widerstehen.


Zum leckeren Abendessen haben wir uns das nette Old Empire Cafe gleich beim Zahntempel ausgesucht.


Am letzten Tag in Kandy besuchen wir den Peradeniya Botanic Garden. Schön anzuschauen mit seinen unzähligen Baumriesen aus aller Welt. Allerdings viele Bäume, aber wenig Bänke. Besonders faszinierend ist die riesige und unüberhörbare Flughunde-Kolonie mit Hunderten der kleinen Vampire.



Unser Tuk-Tuk-Fahrer Shiva hat sich entschieden, uns ob der Verkehrsdichte nicht mehr vom Park abzuholen. Okay… dann fahren wir halt Bus. Im Stop and Go zuckeln wir Richtung Zentrum… und das nicht wegen den vielen Bushaltestellen!
Morgen geht es schon vor der Frühstückszeit los zum Zug nach Ella. Also besorgen wir uns noch Verpflegung für die 6-stündige Fahrt. Für mich gibt es super leckere mit Gemüse gefüllte Roti. Ich hatte ja schon von den Schulheften erzählt, die zu Tüten umfunktioniert werden. Meine Roti-Tüte war mal ein Physik-Heft 😉

Über Hygiene darf man dabei nicht nachdenken. Nicht vorzustellen, wer diese Tüte schon alles in den Händen hatte: der Hefthersteller, der Lieferant, der Schreibwarenverkäufer, der Schüler, der Tütenbastler, der Roti-Verkäufer.
