Am Sonntag geht es mit dem Bus Richtung Süden, dem Strand und dem Meer entgegen. In Empilipitiya klettern wir in den Fernbus nach Tangalle. Auffallend viele junge Männer sind hier an Bord und Nicole hat das leidliche Vergnügen der direkten Kommunikation mit ihren Sitznachbarn. Es sind stets die gleichen Fragen: woher kommst du, wohin gehst du, wie lange bist du da… wie ist dein Name, bist du verheiratet…? Wir haben uns schon ein Antworten-Repertoire zurecht gelegt. Offiziell sind wir beide verheiratet und unsere Männer sind daheim, weil sie keine Rucksäcke schleppen wollen. Insgeheim mache ich mir Gedanken, ob es sich bei dem Pulk junger Männer im Bus nicht um die berüchtigten Beach-Boys handelt, die bereits im Bus ihren Charme auf ausländische, alleinreisende Frauen versprühen.
Nachdem unser Busbetreuer unser Anliegen, einige Stationen früher auszusteigen mangels Englischkenntnissen wieder einmal nicht verstanden hat, müssen wir von Tangalle mit dem Tuk-Tuk zurück. Um 12 Uhr erreichen wir unsere ruhig gelegene Bleibe, das Blue Skies Guesthouse & Restaurant.

Ach Quatsch, falsches Foto erwischt 😉

Ein junges Paar, Natalie aus GB und Suranga aus SL, führen das neue Guesthouse mit derzeit zwei Zimmern seit November letzten Jahres sehr liebevoll.

Es liegt mitten im grünen Pflanzendschungel mit jeder Menge Vogelgezwitscher. Vögel wie Pfaue, Kingfisher, Papageien und das seltsame Nationalhuhn können wir hier vom Balkon aus entdecken.
Die Mittagsstunden sind brütend heiß, also machen wir uns erst um 16 Uhr auf den Weg über die Lagune zum Strand. Witzigerweise müssen wir dazu durch die monströse Lobby und das Strandrestaurant eines Edel-Hotels.

Da liegt er nun, der schier endlose Traumstrand – fast für uns allein.


Die Wucht des Indischen Ozeans flößt uns mit tosenden Wellen sofort einen Heidenrespekt ein. An Schwimmen ist hier nicht zu denken, es sei denn, man schafft es durch den gewaltigen Meer-Sand-Whirlpool – und wieder zurück. Das erscheint uns aber eher eine sportliche Höchstleistung zu sein, als Entspannung und Erfrischung. Erfrischen tut uns im Übrigen der heftige Wind, der uns das Meersalz um die Ohren weht.


Nicole wird das Gebläse irgendwann zu viel. Kaum bin ich alleine, ergreifen der benachbarte Lobster-Fischer und sein Freund die Gelegenheit mich anzusprechen. Sie halten aber Abstand und sind wirklich sehr höflich. Das Abfrageritual nimmt seinen Lauf.
Ich genieße die Stimmung bis kurz vorm Sonnenuntergang. Im Westen geht die Sonne unter, im Osten steht ein Hauch von Vollmond über den Palmen. Sehr schön!

An diesem und anderen Stränden von Sri Lanka kommen zwischen 20-24 Uhr fünf der weltweit acht existierenden Schildkrötenarten an den Strand, um ihre Eier zu vergraben. Man kann sich das sicherlich beeindruckende Naturschauspiel abends in Touristengruppen für viel Geld ansehen. Fragt sich, wie sich die Schildkröte fühlt, wenn ihr bis zu 80 Personen bei dieser mühevollen Arbeit zugaffen. Wir entscheiden uns, die Schildkröten in Ruhe zu lassen. Dafür sehen wir aber andere seltsame Wesen.

Am Morgen möchte ich den Sonnenaufgang am Strand erleben. Früh und leise mache ich mich fertig. Eigentlich hatte ich Bedenken, irgendwelchen Männern in die Arme zu laufen. Stattdessen stürzen plötzlich sechs herrenlose Hunde aus dem Dickicht bellend auf mich zu. Ich mach mir fast in die Hose, nehme aber all meinen Mut zusammen, in der Hoffnung, die um mich tänzelnden, sich gegenseitig anknurrenden Köter durch meine Stringenz in die Flucht zu schlagen. Pustekuchen! Die Clique bekommt noch Verstärkung und ich trete geschlagen den Rückzug an.
Zum Thema Sicherheit in Sri Lanka:
Ein bisschen schade finde ich es schon, dass man sich hier in Sri Lanka nach Einbruch der schnellen und frühen Dunkelheit um 18 Uhr nicht mehr wirklich frei bewegen kann. Ein Strandspaziergang bei Vollmond oder der Spaziergang zur nächsten Strandbar ist für mich als Frau alleine gar nicht vorstellbar. Ich fühle mich in Sri Lanka weit weniger sicher, als in Laos und Kambodscha. Dort war ich zu allen Tageszeiten alleine unterwegs und wurde nie belästigt, angesprochen oder begutachtet. Das ist hier leider anders und ich bin sehr froh, Nicole an meiner Seite zu haben.
Auch wenn viele die Freundlichkeit der Singhalesen hervorheben, so fällt es uns doch schwer zu entscheiden, wo die Freundlichkeit aufhört und das Geschäft und die Anmache beginnen. Die schlechte englische Aussprache tut ihr Übriges und führt zu allerhand Missverständnissen.