Vom südlichsten Zipfel Ugandas, dem Mgahinga National Park in den Virunga-Bergen, müssen wir natürlich wieder diese verrückte Straße nach Kisoro zurück. Es ist wirklich das Miserabelste, was man sich als Fahruntergrund vorstellen kann. Meist rumpeln wir einfach nur über mehr oder weniger zerkleinertes Vulkangestein garniert mit Pfützen, Fahrrinnen und innerorts oft viel Müll.
Kisoro-Stadt zeigt sich am Montagnachmittag dann doch viel belebter und bunter als bei der sonntäglichen Herfahrt und auf dem riesigen Markt mit Obst und Gemüse wären wir sicher eher fündig geworden, als bei Richards begrenztem Angebot. Aber unsere Vorräte sind gedeckt und so durchfahren wir Kisoro und folgen der bestens geteerten Straße nach Kabale. Rund 80 Kilometer geht es in großzügigen Serpentinen bergauf und bergab durch die Berge – da macht das Fahren richtig Spaß! Das einzige Schlagloch der Strecke „koste ich aber auch voll aus“.









Wuseliges Kisoro
Strassen-Business am Highway
Kurz vor Kabale geht es dann wieder auf die rote Piste durch lichten Wald zum Lake Bunyonyi, vorbei an gewaltigen Steinbrüchen, in denen auch viele Kinder und Frauen Steine klopfen und zerkleinern. Wir wissen eigentlich gar nicht, was in Uganda damit gebaut wird. Die Häuser sind aus Lehm oder Ziegelsteinen und einen Straßen- oder Landschaftsbau gibt es ja nahezu nicht.








Wir landen in einem kleinen wuseligen Dorf und nehmen dort erst einmal den falschen Abzweig. Auf der einspurigen Lehmstraße, die links und rechts von Marktauslagen, Menschen, Motorrädern, Kühen und Ziegen umlagert wird, ist kaum ein Fortkommen. Und zum Hafen hin wird die Sache noch brenzliger. Überfahre ich nun das Gemüse links in der Auslage am Boden oder touchiere ich rechts das Motorrad um kurz darauf die Hörner der Kuh zu streifen? Ein ziemlich angetrunkener Afrikaner dirigiert uns mit großen Gesten, aber wenig vertrauenserweckend, durch das Chaos und gerät dabei selbst in handgreiflichen Streit mit einem anderen. Alle anderen rundum bleiben bei dem Tumult ganz gelassen und wir versuchen, es ihnen gleich zu tun. Puh, geschafft!
Nun nur noch ein paar Windungen off-road den Berg hinauf, dann haben wir am Ende eines Wald- und Wiesenweges das Edirisa Camp erreicht und parken aufgrund der Hanglage direkt vor dem Tor. Es ist kein Mensch zu sehen weit und breit. Matthias steigt den waldigen Hügel hinab und holt den Chef. Die Anlage sieht ziemlich verlassen und verwahrlost aus, aber „No problem“, natürlich können wir hier übernachten und – es ist inzwischen schon nach 18 Uhr und kurz vorm Dunkelwerden – notfalls auch etwas zu essen bekommen. Nach etwas genauerem Hinschauen auf Plumpsklo und Open-air-Duschen stellen wir fest, dass wir vom Regen im Amajambere Community Camp in die Traufe gekommen sind. Das geht gar nicht! Wir brauchen eine heiße Dusche, ein ordentliches Klo und ein trockenes, wanzenfreies Bett. Zügig drehen wir um und steuern das weiter vorne am See gelegene Bunyonyi Overland Camp an. 50 $ für ein geräumiges Fixed Tent mit Betten, dass ist uns unsere Nachtruhe am See wert. Es ist herrlich hier, alles adrett, top gepflegt und sogar der Chef höchstpersönlich sorgt sich um das Wohl seiner Gäste. Die Anlage ist riesig mit verschiedenen Unterkunftsarten, doch außer uns sind aktuell wohl nur eine große Franzosengruppe und ein Motorradfahrer hier einquartiert.




Nach der Dusche lassen wir uns im Outdoor-Restaurant mit einem wirklich exzellenten Crayfish Masala und Crayfish Curry verwöhnen. Die kleinen Krebse kommen direkt aus dem Bunyonyi See und schmecken köstlich.
Wieder zufrieden mit diesem Tag krabbeln wir in die Betten und werden erst vom Vogelgezwitscher geweckt. Doch oh weh … die durchgelegenen Matratzen im Bunyonyi Overland Camp haben ihre Spuren hinterlassen. Mir ist es ordentlich ins Kreuz gefahren und ich kann mich kaum mehr gerade aufrichten. Vielleicht hilft Schwimmen? Nach einem Obstsalat-Frühstück teste ich also noch das Wasser des Bunyonyi-Sees, schließlich will ich mein Badezeug auch nicht ganz umsonst mitgenommen haben. Der Lake Bunyonyi ist eines der wenigen Gewässer in Uganda, die bilharziosefrei sind. Das Wasser ist wunderbar weich und frisch, wie daheim am Wiflinger Weiher. Matthias kann sich trotzdem nicht dafür erwärmen.
Um 10.30 Uhr sind wir wieder startklar für die Weiterfahrt zum Lake Mburo National Park. Erst geht es über Buckelpisten erneut vorbei an den Steinbrüchen zurück zur Main Road, dann weiter nach Kabale, einer wuseligen, recht adretten Stadt, in der uns die große Markthalle zu einem Stopp einlädt. Ob wir drei Parktickets für je 1.000 UGX löhnen müssen, weil wir Touristen sind oder ob wir damit ein Abo abgeschlossen haben, können wir nicht abschließend klären.


In der riesigen Halle gibt es Obst und Gemüse in Hülle und Fülle. Obwohl wir für die letzten zwei Camptage eigentlich nicht mehr viel brauchen, können wir den Auslagen nicht widerstehen. Die Avocados – dreimal so groß wie daheim und mit 50 ct spottbillig – sind sensationell. Rund um den Veggie-Markt gruppieren sich die Metzger mit ihrer gewöhnungsbedürftigen Fleischbeschau ohne Kühlung. Wir kommen ins Gespräch, die Verkäufer, insbesondere die männlichen, sind sehr offen und freuen sich über unser Interesse. Es gibt Ziege und Kuh und von beiden Tieren wird wirklich alles samt Haut und Haaren verarbeitet. In einer kleinen Ecke finden wir auch etwas geräucherten Fisch … und wenn Matthias nur wolle, wäre auch gleich eine ugandische Ehefrau „im Angebot“.










Weiter geht die Fahrt auf einer ausgebauten, asphaltierten Straße Richtung Nordost. Welch ein Genuss nach so viel Offroad-Fahrerei, nur die Geschwindigkeitsschwellen in den Örtchen rütteln uns immer wieder ordentlich durch. Am Straßenrand nehmen wir für 2.000 UGX noch eine leckere Ananas mit.




Da fällt Matthias auf, dass unsere Tachoanzeige total durchgeknallt ist und der Zeiger wie wild ausschlägt. Bei gefahrenen 50 km/h schnalzt er hoch bis auf 140 km/h – völlig crazy! Irgendwann streikt dann auch noch unser Kilometer-Zähler und bleibt unverändert bei etwas über 194.100 gefahrenen Kilometern stehen. Na, Hauptsache der Motor läuft und unser Problemreifen hält noch bis Entebbe durch. Unser Verleiher Joseph von 4×4 Uganda hat uns übrigens wissen lassen, dass er uns ein wasserdichtes Ersatzzelt zum Leopard Rest Camp im Mburo Nationalpark bringen lässt und sich mit 30 $ an den entstandenen Mehrkosten für die Übernachtungen beteiligt. Für mein verrenktes Kreuz müsste ich eigentlich noch Schmerzensgeld verlangen 😉 Aber einmal mehr sind wir dankbar und schwärmen in höchsten Tönen von unseren so wunderbaren Matratzen, auf denen wir trotz Bodennähe und Einfachheit im Zelt immer himmlisch geschlafen haben
Nach rund 5 Stunden erreichen wir die Zufahrtsstraße zum nicht eingezäunten Lake Mburo National Park. Vor einer einfachen Stangerl-Absperrung wartet ein junger Mann auf uns – in den Händen einen Kanister mit Spritzpistole. Er müsse – kostenpflichtig – die Reifen desinfizieren, das sei vorgeschrieben, erklärt er uns in rudimentärem Englisch. Ehrlich gesagt schaut der Desinfektionsstopp vor der Bohnenstangen-Barriere und mit einer Notunterkunft aus Plastikplanen eher nach einem self-made Geschäftsmodell aus. Aber tatsächlich erfahren wir später im Camp, dass durch die Desinfektion ein Übergreifen der Maul- und Klauenseuche auf den Nationalpark verhindert werden soll, wo nicht nur wilde Huftiere, sondern auch große Herden der wunderschönen Ankole-Rinder zuhause sind.





Das Leopard Rest Camp wird für die nächsten zwei Nächte unser Zuhause sein. Es liegt noch vor dem offiziellen Gate in den Nationalpark rund um den Mburo See, weshalb auch noch keine 24 h-Eintrittsgebühren anfallen. Perfekt! Wir werden von John in Empfang genommen und rundgeführt. Die Anlage ist ein Träumchen und wir fühlen uns sofort richtig wohl. Wie immer haben wir freie Auswahl bei der Platzsuche und entscheiden uns, wind- und regengeschützt zwischen einigen Büschen, aber doch nahe von Küchen-Freisitz und sanitären Anlagen unser altes Zelt aufzuschlagen. Der neue, regenfeste Ersatz ist bisher noch nicht eingetroffen.







Kaum wohnlich eingerichtet, treffen wir uns um 16.30 Uhr auch schon wieder mit John zu einem Nature Walk. Für schlappe 10 $/Person durchstreifen wir zwei Stunden lang zu Fuß die Wiesen und Weiden, erfahren von John unglaublich viel über Zebras und Impalas – beide Tierarten gibt es in Uganda nur im Mburo und im Kidepo Nationalpark – und auch über die Ankole-Rinderzucht. Es ist fast noch schwieriger diese Longhorn-Rinder zu fotografieren, als das scheue Eland (Riesenantilope) vor die Linse zu bekommen. Denn die Farmer und Hirten werden richtig aggressiv, wenn man ungefragt Fotos der anmutigen Tiere macht, da oft genug damit Geschäfte gemacht werden und sie dabei leer ausgehen.
















Zebra-Crossing I
Zebra-Crossing II
Zebra-Massage
John hat – wie eigentlich alle Guides, die wir hatten – eine ganz herzliche Art und Weise, uns die Schönheit der Natur im warmen Licht der untergehenden Sonne nahe zu bringen. Jetzt wird es aber Zeit fürs Duschen und Kochen. Schon ziemlich müde schmeißen wir in der tollen Picknick-Area den Gaskocher für Spaghetti mit Avocadosoße an. Auch das Frühstück und der Mittagssalat für den morgigen Safari-Tag wollen vorbereitet sein. Im Finstern liefert dann doch tatsächlich noch ein Motorradfahrer ein neues Zelt für uns an! Unglaublich, die Lieferung erfolgte erst mit dem Matatu von Entebbe nach Lyantonde (225 km) und von dort mit Boda-Boda in unser Camp (26 km einfache Strecke). Vermutlich werden wir es noch nicht einmal brauchen, denn wie uns John sagte, hat es in der Region seit Wochen nicht mehr geregnet und der Nachthimmel zeigt sich auch fast sternenklar.


Am Dienstag, den 31.01.2024, geht es dann auf unseren letzten Game Drive durch den Lake Mburo National Park. Wir starten gleich um 7 Uhr und haben den ganzen Tag Zeit. Erstaunlich wie auch hier trotz Trockenheit alles grünt und wuchert. Die rote Piste durch die hügelige Landschaft ist super zu fahren und die ersten Zebras, Giraffen, Impalas und Water Bucks lassen nicht lange auf sich warten.







Wie süß! Entlang der Straße stehen die putzigen Mangusten für uns Spalier und beäugen uns neugierig.




Wir fahren erst einmal Richtung See, verpassen aber die Abfahrt zum Bootspier und folgen deshalb erwartungsvoll dem Lake View Track, der seinem Namen dann allerdings keine Ehre macht. Hier ist alles großzügig buschig verwachsen und außer einer Unmenge an hübschen Schmetterlingen und ein paar Vögeln entdecken wir kaum ein Tier.






Gerne würden wir näher an den See, um die Nilpferde, die wir hören, auch zu sehen. Aber das ist fast unmöglich und in Anbetracht des Krokodils, das wir von unserem Frühstücksspot aus ins Wasser spurten sehen, vielleicht doch nicht so wünschenswert.
Auf dem Rückweg steuern wir dann das Pier mit dem Ausflugsbooten an. Alle Einrichtungen, einschließlich Toiletten, sind sehr verwahrlost und heruntergekommen. Das See-Idyll hatten wir uns etwas anders vorgestellt. Wir verweilen nur sehr kurz hier und fahren weiter zum nordöstlichen Sanga-Gate, um bei einem Kaffee den Ausblick von der hoch oben gelegenen Eagle’s Nest Lodge auf den Nationalpark zu genießen. Die Lage der Lodge ist nicht schlecht, trotzdem gefällt uns die Atmosphäre und die Lage unseres Leopard Rest Camps besser – und günstiger ist es natürlich auch.


Nach der Pause geht’s wieder rein in den Park und dort auf den Acacia-Track, der auf unserer Printkarte nicht vermerkt ist, aber sehr wohl auf maps.me. Abgesehen davon, dass der gewundene Track durch den lichten Akazienwald wunderschön ist, wird unsere Abenteuerlust auch besonders belohnt. Giraffen und Zebras stehen entspannt in nächster Nähe oder direkt vor uns auf dem Weg. Und Ober-Späher Matthias entdeckt doch tatsächlich im Dickicht auch mehrere der scheuen Eland-Antilopen.





Giraffe-crossing
Tierisch viel Verkehr













Ein weiteres animalisches Highlight erwartet uns dann aber noch an einem großen Wasserloch, wo uns ein Traumarrangement mit Zebras, Wasserbüffeln, Hippos, Impalas und Giraffen in den Bann zieht. Das ist nun echt der Hammer! Lange verweilen wir hier – mutterseelenallein mit der Natur – und genießen.






Ach, das war ja nochmal ein vorzüglicher Safari-Tag in Uganda. Heute bleibt unser Gaskocher kalt und wir lassen uns mit einem vorzüglichen 3-Gänge-Menü in dem wunderbaren Freiluft-Restaurant des Leopard Rest Camps verwöhnen, wobei die abendliche Dosis Nile Bier natürlich auch nicht fehlen darf.



