ZUGIGE ZUGFAHRT INS HOCHLAND

Nachdem wir keine Sitzplätze für den Morgenzug um 8.45 Uhr von Kandy nach Ella reservieren konnten, möchten wir so früh wie möglich am Bahnhof sein und ein Open Ticket für die 2. Klasse kaufen. Um 7.00 Uhr soll unser „Hotelier“ ein Tuk-Tuk besorgen. Auf das Frühstück verzichten wir gleich, weil wir das bei deren Tempo und Organisation für 6 Uhr bestellen müssten, um um 7 Uhr fertig zu sein.
5 Minuten vor 7 Uhr sind wir mit unseren souvenir-erschwerten Backpacks startklar. Im Flur ist niemand, in der Küche ist niemand, das 24 h-Receptionsoffice ist verwaist,  das Haus totenstill. Uns schwant Böses! Na super: Die 3-4 Meter hohe, massive Umzäunung und das Eingangstor sind wie ein Hochsicherheitstrakt mehrfach abgeschlossen!! Uns wird ganz übel. Es ist Sonntag, wer weiß,  wann hier jemand auftaucht. Anrufe finden kein Gehör und das Übersteigen der Zaunanlage hat schon James-Bond-Niveau. Uns beschleichen erste Mordgedanken, sollten wir wegen diesen Nichtskönnern unseren Zug verpassen!

Plötzlich… träges Flip-Flop-Schlurfen! Dieses Mal klingt es nicht nervig, sondern sehr beruhigend in unseren Ohren. Die Rettung naht… mit Torschlüssel. Wir fühlen uns trotzdem nicht zu Dank verpflichtet.

Ab geht’s mit dem nächsten Tuk-Tuk zur Railway-Station. Wir stehen wieder ganz vorne in der Schlange und halten kurz nach Schalteröffnung unsere Open-Tickets für 240 Rupien/Person (1.50 €!!!) in der Hand.

Das ist gut so, dennoch bleibt noch Vieles im Unklaren:
Werden mehr Tickets verkauft, als Reisende in den Zug passen?
Was, wenn sich späte Ticketkäufer ganz frech in Ellbogenmanier an uns vorbei drängen? (Oh mein Gott, ich bin so schlecht im Drängeln 🙈 Nicole sagt, ich soll einfach an ihr dran bleiben.)
Wohin nur im Zug mit unserem Gepäck?
Wo stehen die Wagen der 1. Klasse und wo die reservierten Abteile? Wenn wir im falschen Abschnitt stehen, gehen die Chancen gegen Null, in den Zug zu kommen.
Und wie sollen wir mit dem Gepäck-Handicap auch noch einen Fensterplatz auf der rechten Seite ergattern?
Wir sammeln so viele Informationen wie möglich und sind richtig angespannt.  Wenn wir doch nur schon drin wären!!

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Der Bahnsteig füllt sich immer mehr, das meiste sind Rucksacktouristen, sogar viele Familien mit Kindern. Zum Glück ist Sonntag, vielleicht gibt es deshalb weniger einheimische Pendler?!

Dann endlich hat das Warten ein Ende. Der Zug fährt ein. Wir erwischen sogar eine Eingangstür, doch leider steigen dort – eigentlich auf der falschen Seite – unzählige Menschen aus. Neidisch und verzweifelt schauen wie zu den bereits einsteigenden Konkurrenten. Jetzt ist auch unser Weg frei, drin sind wie schon mal… rechts das Abteil ist laut und verstopft. Intuitiv gehen wir nach links in den Wagon der 3. Klasse. Ein breiter Eingangsbereich (wohl ehemals ein Servicebereich) und ein großes freies Fenster… wie schlagen sofort zu ohne lange zu überlegen und nach Sitzplätzen Ausschau zu halten. Rucksäcke abgestellt und Fenster in Beschlag genommen – Juchu!! Wir haben es geschafft! Nicole und ich sind ein genial gutes Team und freuen uns wie die Schnitzel

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Der Zug und das Abteil werden voller und voller. Wie grinsen diebisch über unsere VIP-Plätze mit Frischluftzufuhr und besten Fotomöglichkeiten. Hinter uns stehen sie wie die Ölsardinen.

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Ganze 6 1/2 Stunden harren wir am Fenster stehend aus, genießen die Aussichten, den Fahrtwind, das Treiben auf den urigen Bahnsteigen und den Wechsel, das Kommen und Gehen im Zugabteil. Wirklich leer wird das Abteil nie. Manche Touristen fahren nur ein paar Stationen, andere nehmen leider den Einheimischen ihren Sitzplatz weg. So stehen Mütter mit Kindern auf dem Arm im Gang oder alte Leute sitzen am Boden.

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Die Fahrt führt in gemächlichem Tempo durch Wälder, Städtchen, Reisfelder, Gemüse- und Teeplantagen ins Hochland. Nach Nuwara Eliya (gesprochen: Nurelia) eröffnen sich auch wunderbare Ausblicke in die Täler.

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Ziemlich geschafft, aber sehr glücklich erreichen wir nach 160 km und über 6 Stunden Fahrzeit um 15.45 Uhr den Bahnhof von Ella.

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Ella ist ein kleines Nest, welches aufgrund der hübschen Lage nur vom bzw. für den Tourismus lebt. Außer ein paar Restaurants und Bars an der Main Road und den vielen kleinen, verstreuten Guesthouses an den Berghängen gibt es hier nichts. Auffallend: alle Lokalitäten sind wirklich sauber, geschmackvoll und hübsch. Zum ersten Mal erfahren wir echte Serviceleistungen, eine toughe Organisation, stylisches Ambiente und kreative Küche.

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Unser kleines Zimmer im Blue Ribbon. Homestay ist etwas abgelegen, hat aber  einen atemberaubenden Ausblick durch Ellas Gap, auf den Little Adams Peak und den Ella Rock und liegt mitten im Grünen.

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Die Affen tanzen auf dem Dach, der Zug rattert von Zeit zu Zeit hinterm Haus vorbei… Einfach herrlich!! Eigentlich könnte man einfach nur hier sitzen und genießen. Leider ist die Hausherrin und Köchin verletzt und kann nicht für uns aufkochen. Schade… ihre Hausmannskost soll super lecker sein.
Aber auch andere Lokalitäten wie das Zion View oder das Chill Cafe haben hier gute Köche und erfreuen unsere Gaumen endlich einmal mit anderen Genüssen als Curry.

 

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