JUWELEN HINTER FORT-MAUERN

Wenig angetan davon, in welch schäbigem Licht sich uns die Hauptattraktion von Mirissa gezeigt hat, schnappen wir uns noch im Hafen das nächste Tuk-Tuk in das hübsche Städtchen Galle.

Übrigens: Weder die Englisch-Kenntnisse haben sich hier an der touristischen Westküste optimiert, noch die Internetverbindung. Es wird wider Erwarten eher schwieriger,  am Blog zu schreiben oder gar Bilder hochzuladen.

Auf unserer Fahrt über die Küstenstraße erhaschen wir im Vorbeifahren hier und da einen Blick auf die Stelzenfischer, die heutzutage aber keine Fische, sondern nur noch zahlende Touristen angeln.

Vorbei an der quirligen Galle-Neustadt  passieren wir nach einer Stunde Tuk-Tuk-Fahrt das Main Gate von Galle Fort und erreichen unserer Herberge, das Thenu Guest House. Generell sind unsere Bleiben hier an der Westküste mit um die 22-25 € pro Person und Nacht mit Frühstück (sonst 12-15 €) nicht mehr wirklich billig, was aber leider nicht gezwungenermaßen mit einer besseren Zimmerqualität und Ausstattung einher geht, sondern nur eine Folgeerscheinung der Nachfrage sonnenhungriger Touristen ist.

(*Die vielen Bilder der Kamera kann ich leider erst wieder zuhause einfügen. Habe Schiss, dass es mir die zweite und letzte Speicherkarte auch noch zerschießt.)

Unser Guesthouse ist ein verwinkeltes, kleines Haus im Fort und liegt direkt gegenüber dem ehemaligen Dutch Hospital. Die Gebäudefronten sind eher schmal, dafür haben die Häuser aber Tiefe. Der typische kleine Innenhof ähnelt in unserer Bleibe eher einer Rumpelkammer, aber in vielen hergerichteten Häusern ist er sehr idyllisch mit viel Grün gestaltet.

Unser Mini-Zimmer mit Minimini-Nasszelle liegt im zweiten Stock und hat zumindest einen Freisitz… wenn dieser nicht gerade von den Kindern des Hauses belegt wird. Das ganze Haus nebst Bettwäsche und Handtücher hüllt unsere europäischen Nasen in einen überaus unangenehmen, an Mottenpulver erinnernden Räucherstäbchen-Duft.

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Galle ist so ein bisschen wie die Touri-Orte am Gardasee. Nicht ganz so adrett, aber eine ebenso schräge Kombination aus schön hergerichtetem Touristen-Dasein mit Souvenirläden, Restaurants, Hotels und eben dem normalen Leben.

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Wie immer gefällt uns das echte Leben um Längen besser. So wie die museumsreifen alten Schreibstuben der Rechtsanwälte in der Umgebung des Gerichtshofes. Der Blick in jede Advokaten-Kanzlei ist wie ein Blick ins Museum! Es ist nicht zu fassen, auf welch alten Schreibmaschinen, verrostet und ohne Deckel, die Damen und Herren noch schreiben. Auch das papierne Ablagesystem wäre sicher optimierungssfähig.

Wir lassen uns durch die Straßen treiben, widerstehen den Einladungen der vielen Juweliere, die ihre mehr oder weniger aufdringlichen, funkelnden Schmuckkreationen an die Frau bringen möchten, und registrieren kopfschüttelnd und schmunzelnd die unsäglich kitschigen und hässlichen Souvenir-Angebote. Wirklich kreativ Schönes haben wir auf unserer ganzen Reise nicht entdecken können, nur gut, dass Sri Lanka mit dem besten Tee und genialen Gewürzen glänzen kann.

(*Hierhin gehören die Fotos der hässlichsten aller Sri Lanka Mitbringsel!! 😂😁

Nachdem die Preise im Galle-Fort exorbitant hoch sind, spazieren wir – alle Tuk-Tuk-Angebote abwimmelnd – am nächsten Tag „nach draußen“ in die Neustadt. Ein alter, ausgesprochen gut Deutsch sprechender Fischer gesellt sich ganz beiläufig zu uns und verwickelt uns… naja, eher mich… in ein Gespräch über Land, Leute und Tsunami. Er betont mehrfach, nichts von uns zu wollen. Weicht aber keinen Schritt von unserer Seite. Endlich entdecke ich erstmals nach fast vier Wochen einen recht fotogenen Fischmarkt. Ich liebe es, auch wenn der Gestank entsetzlich ist!! Und wann sieht man schon einmal einen Tuk-Tuk-fahrenden Marlin?

Weiter geht es mit unserem selbst ernannten Führer zum besten und einzigen (anschaulichen) Gewürzstand in Galle und zum Green Market (Gemüsemarkt). Ein Sri Lanka-erfahrenes  deutsches Paar bestätigt uns übers ganze Gesicht strahlend, dass dies tatsächlich der weit und breit beste Gewürzhändler ist. Ein Eintauchen unserer Nasen in diverse Behälter bestätigt uns dies. Besonders das am Morgen frisch zubereitete, noch warme Garam Marsala mit 28 verschiedenen Gewürzen ist der absolute Oberhammer!!

Verführt von diesen Düften können wir nicht länger widerstehen und schlagen – ohne Rücksicht auf drohende Rückenprobleme durch unsere sich immer mehr aufblähenden Backpacks  – ordentlich zu.

Das Marsala duftet übrigens noch Tage danach durch drei Tütenlagen hindurch und erfreut uns bei jedem Öffnen des Rucksacks, denn schließlich überlagert sein fantastischer Duft alle anderen, weniger wohlriechenden Gerüche, die nach vier Wochen üblicherweise aus dem Reisegepäck strömen.

Ihr werdet Euch fragen, wo unser Fisherman-Guide abgeblieben ist. Nun ja, nachdem wir weder am Fischmarkt, noch am Gewürzstand und auch nicht auf dem Gemüsemarkt Anstalten machten, unser Portemonnaie zu zücken, hat er uns dann noch die Story vom kranken Neffen im Krankenhaus erzählt, für den er dringend Milch braucht. Erst als wir einen kleinen Obolus abgedrücken, ist unser Fischer, der kein Geld von Touristen und schon gar nicht von Deutschen haben will, ganz schnell im Getümmel verschwunden. Um meine Neugier zu stillen, kaufe ich mir auf dem Markt einen Wood Apple und auch die im Tee verarbeitete leckere Frucht Sour Sop können wir hier probieren.

Der frühe Nachmittag überrascht uns erst mit einem heftigen Gewitter, wie schon in der Nacht zuvor. Aber genauso bald ist die Erfrischung vorbei und das verdampfende Wasser schwängert wieder die Luft.

Wir streifen erneut durch Galles Sträßchen, genießen Kaffee und Tee…

… und mein beiläufiger Blick in die Glitzer-Auslagen auf der Suche nach einem Silber-Ring mit dem leuchtend grünen Peridot (genau meine Farbe!!!) wird schließlich fündig. Ich wage mich zur Anprobe in die Höhle der verkaufshungrigen Edelsteinverkäufer. Schauen kostet ja nichts, die Konkurrenz ist groß und die Anzahl zahlungskräftiger Touristen eher gering. Das erste Angebot für einen dreisteinigen Ring sind 50 € – immer mit Echtheitszertifikat. Hätte ich schon glatt weg gezahlt, so gut gefällt er mir, gebe mich aber unentschlossen. Zudem fällt mir ein zweites Modell ins Auge. Ich probiere und sinniere… probiere wieder und sinniere noch ein bisschen. Von ursprünglichen 90 € für beide Ringe sind wir schlussendlich bei 60 € angelangt. Ich bin super happy und er hat immer noch dran verdient. Selbst Visa-Zahlung kostet nix extra.

Ganz beschwingt verbringen wir den Abend in Mamas Café über den Dächern von Galle mit phantastischem Lichtspiel am Himmel… und der Muezzin ruft dazu.


Tags davor sind wir übrigens kulinarisch fremdgegangen und haben im Mansion House sehr frische Pizza gegessen. Das musste nach all dem Curry und Fried Rice einfach mal sein. Leider fällt es trotz intensiven Recherchen sehr schwer, die wunderbaren, typischen Gerichte wie Kottu, Lamprice oder Pittu auf den Menükarten zu entdecken.

Ein Gedanke zu “JUWELEN HINTER FORT-MAUERN

  1. Werner Meier schreibt:
    Avatar von Werner Meier

    Wie immer taucht man sofort ein in das Land bei Deinen wunderbaren Reiseberichten!! Einfach nur schön, auch die Bilder!
    Hab gehört, dass Du am Die das Dal mit einer Pizza tauschen willst
    Wir freuen uns auf Dich!!
    Beste Grüße aus bester Gegend
    Werner & Margit

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